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Internationale Konferenz in Moskau, 5. und 6. Oktober 2011 „Rosa Luxemburg: Theorie, Kontext, Aktualität – Zum 140. Geburtstag“ |
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Konferenzbericht mit Downloads von unredigierten Referatstexten |
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Tradition bedeutet nicht das Bewachen der Asche, sondern das Weiterreichen des Feuers! |
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Dr: Ludmilla Bulavka; Dr. Wladislaw Hedeler, Prof. Dr. Michael Lowy, Prof. Dr. Sergey Kretinin, Prof. Dr. Jörg Wollenberg, Zhanna Ponomarenko, Prof. Dr. Isabel Loureiro |
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Dass Tradition für die sozialistische und kommunistische ArbeiterInnenbewegung nicht das Bewachen der Asche, sondern vielmehr das Weiterreichen des Feuers bedeutet – genau das hat die diesjährige Konferenz der „Internationalen Rosa-Luxemburg-Gesellschaft“ am 5. und 6. Oktober deutlich gemacht, die erstmals in Moskau stattfand. Schwerpunkte der Tagung waren die Geschichte und die Aktualität des ökonomischen Werks Rosa Luxemburgs, neue Archivfunde zu ihrem ökonomischen Werk, neue Funde von Polnisch sprachigen Artikeln Luxemburgs sowie die Denkanstöße Luxemburgs zur Lösung von einigen Gegenwartsproblemen. Die verschiedenen Beiträge zeigten die nach wie vor große Aktualität Rosa Luxemburgs – auch 140 Jahre nach ihrer Geburt. Die Tagung der „Internationalen Rosa-Luxemburg-Gesellschaft“ war durch eine außergewöhnlich breite Beteiligung internationaler WissenschaftlerInnen gekennzeichnet. ReferentInnen aus Argentinien, Brasilien, VR China, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Russland und den USA haben Beiträge zu verschiedensten Aspekten des Lebens, des Werks sowie der Wirkungen von Rosa Luxemburgs Ideen präsentiert. So rerierten u. a. Prof. Dr. Michael Lowy (Paris, Frankreich) über das Thema „Western Imperialism against Primitive Communism. A New Reading of Rosa Luxemburg’s Economic Writings”, Prof. Dr. Alexander Busgalin (Moskau, Russland) zu „Rosa Luxemburg, Wladimir Uljanow und die Theorie des Kapitals: Antworten auf die Herausforderungen des 21.Jahrhunderts“, Prof. Dr. He Ping (Wuhan, China) zu “The East and West in the World System - On the Difference between Rosa Luxemburg’s and Lenin’s Theory of Imperialism”, Dr. Giovanna Vertova und Prof. Dr. Riccardo Bellofiore (Bergamo, Italien) gemeinsam über “Rosa Luxemburg on Capitalist Dynamics, Distribution, and Effective Demand Crises”, Dr. Andreas Diers (Bremen, Deutschland) zu „Der Einfluss Rosa Luxemburgs auf die Analysen und Konzeptionen Wolfgang Abendroths über Weltpolitik und Imperialismus (1918-1933)“, Prof. Dr. Jakow Drabkin (Moskau, Russland) über „Die Gleichaltrigen: Rosa Luxemburg und Lenin“, Prof. Dr. Isabel Loureiro (Sao Paulo, Brasilien) über „Die Aktualität von Rosa Luxemburgs „Akkumulation des Kapitals“ in Lateinamerika“, Prof. Dr. Sergei Kretinin (Woronesh, Russland) zu „Rosa Luxemburg und Otto Bauer über die Russische Revolution 1917“, Klaus Gietinger (Frankfurt/Main, Deutschland) über “Luxemburg, Lenin, Kollontai, Ossinski und die Organisation der Produktion im Sozialismus - Gemeinsamkeiten?”, Prof. Dr. Pablo Slavin (Mar de la Plata,Argentinien) über “The Russian Revolution Experience and the Validity of the Marxist Thought: Luxemburg and Kautsky’s Ideas” und Ass. Prof. Dr. Alexei Gusev über “’A Clique Affair’ or an ‘Unlimited Democracy’? Rosa Luxemburg on the Dictatorship of the Proletariat”. |
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Prof. Dr. Jakow S. Drabkin, Prof. Dr. Robert Evzerow |
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Von den zahlreichen weiteren behandelten Thematiken können hier nur noch einige genannt werden, so der Beitrag „Rosa Luxemburg und Pjotr Alexeevich Kropotkin“ von Prof. Dr. Narihiko Ito (Kamakura, Japan), der Vortrag zu „Die Akkumulationstheorie von Rosa Luxemburg und die gegenwärtige wirtschaftliche Dynamik“ von Prof. Dr. Soltan Dzarasow (Moskau, Russland) sowie der spannende Beitrag von Prof. Dr. Jörg Wollenberg (Bremen, Deutschland) zu der Thematik „Rosa Luxemburg und die Bremer Linke. Ihre Stellung zur russischen und deutschen Revolution – Unterschiede und Gemeinsamkeiten“. Wollenberg arbeitete in seinem Beitrag heraus, dass in Bremen eine Gruppe von Arbeiter-Intellektuellen in enger Zusammenarbeit mit den stets aktionsbereiten Werftarbeitern diese Stadt nach 1905 zu einem Labor der Arbeiteiterlinken und der Rätedemokratie gemacht hat. Dieses habe dann auch in den internationalen Arbeiterrevolten während der Jahre 1917 bis 1921 eine wichtige Rolle gespielt. Nach 1914 gab es nach den Erkenntnissen Wollenbergs keine Stadt in Deutschland, in der die Organisationen des revolutionären Marxismus eine vergleichbare Basis besaßen wie die Gruppe um die von Johann Knief herausgegebene „Arbeiterpolitik“ mit dem Untertitel „Wochenschrift für wissenschaftlichen Sozialismus“. Diese hatte sich im Juni 1916 von der von Alfred Henke (USPD) geleiteten „Bremer Bürgerzeitung“ (BBZ) getrennt. Nicht nur für Rosa Luxemburg habe Bremen deshalb als „Pfeiler des Radikalismus in Deutschland“ gegolten. Aber Rosa Luxemburg habe seit Ende 1912 dort ihre Mitarbeit verweigert, weil Henke Karl Radek, ihren Intimfeind aus den gemeinsamen polnischen Jahren, in den Redaktionsstab der BBZ aufgenommen hatte – wie zuvor schon Paul Frölich, Heinrich Brandler, Wilhelm Pieck, Johann Knief, Heinrich Eildermann und den in Bremen ab 1906 als Lehrer im Bildungsausschuss tätigen Anton Pannekoek. Sie alle trugen nach den Ausführungen von Wollenberg in der BBZ und in der Bremer „Arbeiterpolitik“ zur theoretischen Fundierung der am 23.11.1918 gegründeten Bremer Gruppe der „Internationalen Kommunisten Deutschland“ (IKD) bei. Die rund 500 Mitglieder umfassende Bremer Gruppe mit ihrem Aktionskern innerhalb der Werftarbeiter um Adolf Dannat, Joseph Miller und Willi Deisen habe zwar mit der Spartakusgruppe kooperiert, sie habe sich aber von dieser in zahlreichen Punkten unterschieden, wie z. B. in Fragen der Trennung von der USPD, der Einheitsorganisation sowie der Massenaktionen in Kooperation mit den Syndikalisten. Die Gruppe in Bremen habe auch hinsichtlich der Nichtbeteiligung an den parlamentarischen Wahlen und in der Einschätzung der russischen Februar- und Oktoberrevolution wie auch der deutschen Novemberrevolution andere Positionen als die Spartakusgruppe um Rosa Luxemburg vertreten. Die frühe Zusammenarbeit mit Bucharin, Lenin und Radek ermöglichte nach Informationen Wollenbergs den engen Kontakt mit den Anhängern des bolschewistischen Revolutionsmodells, mit dem sie sich zwar grundsätzlich identifizierten, aber zugleich aus prinzipiellen Gründen sowohl das Organisationsmodell der Spartakusgruppe wie das der Bolschewiki als zu zentralistisch kritisierten. |
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Dr: Ludmilla Bulavka; Dr. Wladislaw Hedeler, Prof. Dr. Michael Lowy, Prof. Dr. Sergey Kretinin, Prof. Dr. Jörg Wollenberg, Zhanna Ponomarenko, Prof. Dr. Isabel Loureiro |
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Einige Konferenzbeiträge führten zu teilweise sehr kontroversen Diskussionen, wie beispielsweise der gemeinsame Vortrag von Ass. Prof. Liang Yulan und Prof. Dr. Wang Xinyan (Wuhan, VR China) zu der Problematik „Rosa Luxemburg’s Thought of Democracy and the Construction of Democracy in Present China“, der Vortrag von Dr. Andrej Kolganow (Moskau, Russland) zu „Rosa Luxemburg zum Problem: War die Revolution in Russland zeitgemäß? Sowie moderne Reflexionen“ genauso wie der Beitrag von Prof. Dr. Jack Jacobs (New York, USA) zu „Rosa Luxemburg, Israel, Palestine, and the Viability of the Two State Solutions“. In der Diskussion zu dem Beitrag von Yulan und Xinyan wurde vor allem die recht große Allgemeinheit der Ausführungen kritisiert, und es wurde hinterfragt, wo konkret im staatlichen Aufbau der VR China Rosa Luxemburgs sozialistische Demokratiekonzeption wiederzufinden sei. Wichtige neue Funde von Archivmaterialien konnten Dr. Eckhard Müller (Berlin, Deutschland) mit seinen Ausführungen „Rosa Luxemburgs öffentlicher Vortragszyklus zur ´Einführung in die Nationalökonomie` im Herbst 1907. Sechs unbekannte Berichte der Berliner Politischen Polizei“ und Dr. Holger Politt (Berlin, Deutschland) in seinem Beitrag „Russland in Rosa Luxemburgs polnischsprachigen Schriften (1893-1912)“ vorstellen. In seinem Beitrag thematisierte Müller eine Vorstufe zu Rosa Luxemburgs nur als Fragment überlieferter Schrift „Einführung in die Nationalökonomie“. Die Berliner Sozialdemokratie hatte Rosa Luxemburg im Jahr 1907 – so Müller – für einen öffentlichen Vortragszyklus zur Nationalökonomie gewonnen. Als Themen behandelte Rosa Luxemburg dort vor meist 800 bis 1000 TeilnehmerInnen: 1. Was ist Nationalökonomie? 2. Die gesellschaftliche Arbeit. 3. Der Austausch. 4. Die Lohnarbeit. 5. Die Herrschaft des Kapitals. 6. Die Widersprüche der kapitalistischen Wirtschaft. Über das erste Thema berichtete der „Vorwärts“. Auf Wunsch von Rosa Luxemburg habe der „Vorwärts“ dann jedoch keine weiteren Berichte gebracht, da diese Vorträge als Broschüre erscheinen sollten, was zu Luxemburgs Lebzeiten jedoch nicht erfolgt sei. In den Akten der Berliner Politischen Polizei sind über alle sechs Vorträge Rosa Luxemburgs zur Nationalökonomie ausführliche handschriftliche Berichte von Polizeibeamten vorhanden. Die sechs Themenschwerpunkte entsprechen den sechs Gliederungspunkten der Schrift „Einführung in die Nationalökonomie“. Das Manuskript dieser Schrift ist somit nach den Ausführungen von Müller aus den Vorbereitungen Rosa Luxemburgs zum öffentlichen Vortragszyklus vor Berliner Sozialdemokraten im Herbst 1907 sowie aus den ökonomischen Vorlesungen an der Parteischule in den Jahren 1907 bis 1914 entstanden und dann während ihrer Haft in der Zeit des Ersten Weltkrieges erweitert worden. Dr. Wladislaw Hedeler (Berlin, Deutschland) wies anlässlich seines Vortrags zum Thema „Nikolai Bucharins Studie über Rosa Luxemburgs Akkumulation des Kapitals (1914/1925)“ besonders darauf hin, dass in russischen Archiven noch zahlreiche wichtige unveröffentlichte Materialien von Lenin liegen – unter anderem dessen bislang noch nicht vollständig veröffentlichte kritische Anmerkungen zu Rosa Luxemburgs Werk „Die Akkumulation des Kapitals“. Lenins Auszüge, Notizen und Bemerkungen zu Luxemburgs Akkumulationsschemata seien bislang immer nur auszugsweise 1933, 1975 und 1985 publiziert worden, um den wirtschaftspolitischen Kurs des jeweils amtierenden Generalsekretärs, ob Josef Stalin, Leonid Breshnew bzw. Michail Gorbatschow, zu legitimieren. Mit der immer nur mehr oder weniger selektiven Veröffentlichung von Werken sowie Materialien ehemals führender ProtagonistInnen der Partei habe die ehemalige KPdSU nicht zuletzt auch generell eine sehr stark parteiliche ´Politik` gemacht, die den ´führenden GenossInnen` jeweils gerade genehm gewesen ist. Am zweiten Konferenztag wurde neben den Beiträgen eine Führung durch das RGASPI-Archiv angeboten. Mit sehr informativen Erklärungen führten die äußerst hilfsbereiten und kompetenten MitarbeiterInnen des Archivs die interessierten KonferenzteilnehmerInnen durch das Gebäude des Archivs und den Lesesaal mit den dort aufbewahrten Findmitteln für die Nutzung des Archivbestandes. Originaldokumente aus den bedeutenden Beständen des RGASPI konnten von den TeilnehmerInnen der Konferenz bei der Führung leider nicht eingesehen werden. Allerdings hatten die ArchivmitarbeiterInnen im Vorraum des Konferenzsaals eine anschauliche Dokumentation aus Beständen des Archivs mit Fotos und Schriftstücken zur deutschen Sozialdemokratie ausgestellt, wobei Materialien zu Rosa Luxemburg nicht fehlten. |
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Hatte bereits 2004 auf Anregung des Nestors der russischen Rosa-Luxemburg-Forschung Prof. Dr. Jakow Drabkin die Russische Akademie der Wissenschaften zusammen mit der RLS eine erste Rosa-Luxemburg-Konferenz im Moskau mit Beteiligung von ForscherInnen aus Russland, Deutschland und Japan veranstaltet, so verdeutlichte die noch wesentlich stärkere Beteiligung bekannter internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an dieser Konferenz im Jahr 2011 in Moskau ein seitdem noch erheblich gewachsenes Interesse an Leben, Werk, Wirkung und aktueller Bedeutung der sozialistischen Revolutionärin Rosa Luxemburg. Von der diesjährigen Konferenz in Moskau werden wieder viele wichtige und anregende Impulse für die internationale Rosa-Luxemburg-Forschung sowie für eine verbreiterte weltweite öffentliche Rezeption der Werke Rosa Luxemburgs ausgehen..Das vollständige Konferenzprogramm und Zusammenfassungen der meisten Beiträge sind auf dieser Website auf der Site “Ankündigungen” mit Downloads zufinden. Das RLS-Büro Moskau will einen Konferenzband mit den Referatstexten in der jeweiligen Originalsprache herausbringen. In deutscher Sprache ist wieder ein Auswahlband geplant. Text: Andreas Diers (Bremen), Fotos: Fred Ladwig (Berlin) |
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Konferenz der Internationalen Rosa-Luxemburg-Gesellschaft |
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___________________________________________________ Konferenz der Internationalen Rosa-Luxemburg-Gesellschaft |
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Eine Rosa-Luxemburg-Konferenz in Südrussland Das Regionale Forschungszentrum für Deutsche Historische Studien Internationale Rosa-Luxemburg-Gesellschaft Rosa-Luxemburg-Stiftung Zentralbibliothek der Staatlichen Universität Voronezh |
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